20.01.2014 10:45 Rückrundenvorbereitung

"Ballkontakte wichtiger als Laufen"

Ist für viel Abwechslung im Training: Maik Halemeier
Ist für viel Abwechslung im Training: Maik Halemeier
Maik Halemeier, Verbandssportlehrer im Westfalen und Mitgestalter von etlichen DFB-Lehrmaterialien, spricht im TWO-Interview mit DFB-Redakteur Peter Scheffler über die Dauer der Vorbereitung, die altersspezifischen Inhalte und was er Trainern allgemein für die Trainingsplanung rät.

Training & Wissen online: Herr Halemeier, wie lange sollte die Winterpause und wie lange die Vorbereitung dauern?

Maik Halemeier: Im Leistungsbereich - auch in der Jugend - macht man normalerweise zwei Wochen Pause und fängt dann sechs Wochen vor Rückrundenbeginn an. Allerdings ist das in Deutschland auch unterschiedlich, da in manchen Bundesländern der Schnee länger liegen bleibt. In der Pause kann dann ruhig auch mal gar nichts gemacht werden. Das gilt vor allem für Jugendliche. Im Amateurbereich sind vier bis fünf Wochen normal. Dann wird in den ersten beiden Wochen vor allem Grundlagenausdauer trainiert, um dann in mannschafts- und gruppentaktische Übungen einzusteigen.

TWO: Nehmen wir an die Plätze sind nutzbar: Worauf achte ich als Trainer in der Vorbereitung?

Halemeier: Der konditionelle Aspekt ist schon wichtig, aber man sollte ihn kombinieren mit anderen Inhalten, zum Beispiel mit taktischen Inhalten.

TWO: Wie macht der Trainer das?

Halemeier: Er sollte überlegen: Was will ich trainieren und mit welchen konditionellen Fähigkeiten kann ich das kombinieren? Und eben nicht sagen: Wir gehen jetzt nur Laufen. Jeder Ballkontakt ist wichtiger, um das Fußballspielen zu verstehen als bloßes Laufen, auch in der Vorbereitung. Wenn ich zum Beispiel das Herausspielen von Torchancen über den Flügel als Schwerpunkt setze, kann ich gleichzeitig im extensiven Intervallbereich oder in der Grundlagenausdauer arbeiten.

TWO: Wo liegt genau der Unterschied zu normalen Trainingseinheiten?

Halemeier: Der Unterschied liegt darin, dass man in der Wintervorbereitung eher mit gleichbleibenden Belastungen und kurzen Pausen arbeiten sollte und nicht mit so hohen Intensitäten und längeren Pausen wie im Trainingsalltag. Dadurch trainiert man den allgemeinen Ausdauerbereich und wird zwischen den Übungen nicht kalt.

TWO: Ab welchem Alter lohnt sich eine Vorbereitung?

Halemeier: Ab der C-Jugend, natürlich altersgerecht. Die Frage ist aber, ob man die Vorbereitung überhaupt getrennt vom normalen Trainingsbetrieb sehen möchte. Oder ob man sich nicht Schwerpunkte über die ganze Saison sucht und die über das Trainingsjahr verteilt trainiert. Wenn man dann einen langfristigen Plan hat, nutzt man die Winterpause dafür, den nächsten Schritt zu machen. Also: langfristiger Aufbau statt gesonderter Wintervorbereitung.

TWO: Sie schlagen also vor, dass Trainer sich einen Jahresplan für die Saison machen und den dann in einzelne Schwerpunkte einteilen?

Halemeier: Ja, immer altersgemäß. Im D-Jugendbereich sind individualtaktische Schwerpunkte im Mittelpunkt, die im Wechsel zwischen Üben und Spielen trainiert werden. Im C-Jugendalter trainiert man schwerpunktmäßig im gruppentaktischen Bereich und im B- und A-Jugendalter dann im mannschaftstaktischen Bereich. Dazu gibt es ja mittlerweile auch relativ viele Medien, in denen man das nachlesen kann.

TWO: Welche sind das?

Halemeier: Die Publikationen von „fussballtraining spezial“, zum Beispiel für die Wintervorbereitung.

TWO: Die sind allerdings wieder themenspezifisch. Woher wissen die Trainer, wie sie den Jahresplan, von dem Sie gerade gesprochen haben, erstellen können?

Langfistiger Aufbau ist ein Teil der C-Trainer-Ausbildungen  © © philippka
Langfistiger Aufbau ist ein Teil der C-Trainer-Ausbildungen
Halemeier: Das lernen die Trainer in unseren Lizenzausbildungen. Dort bereiten wir das mit den Trainern vor und helfen bei der Organisation. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Trainer aus dem Leistungs- oder aus dem Breitenfußball kommen. Auch im Bereich Breitenfußball macht eine Jahresplanung Sinn. Wenn eine C-Jugendmannschaft das ballorientierte Verteidigen trainiert, muss das über einen längeren Zeitraum geschehen. Und irgendwann kann ich vielleicht eine eigene Spielphilosophie einführen, von der dann auch die älteren Jahrgänge bis hin zu den Senioren profitieren.

TWO: In welcher Ausbildung lerne ich das genau?

Halemeier: In der gesamten C-Trainer-Ausbildung. In der Trainer C-Breitenfußball-Ausbildung bezieht sich das dann - wie der Name schon sagt - auf den Breitenbereich. Bei der Trainer C-Leistungsfußball-Ausbildung bezieht sich die Ausbildung auf die überbezirklichen Leistungsklassen. In beiden Fällen geht es ganz klar darum, einen langfristigen Trainingsaufbau zu gewährleisten und nicht nur, wie ich die nächsten Spiele gewinne.

TWO: Wie wird das von den Trainern angenommen? Die meisten werden ja auch am kurzfristigen Erfolg gemessen.

Halemeier: Das ist nicht einfach zu vermitteln. Wir versuchen die Trainer aber dahin zu bringen. Wenn ein Verein langfristig denkt, hat er schnell ein Alleinstellungsmerkmal und bekommt dadurch oft großen Zulauf an Spielern. Deshalb ist die Unterstützung vom Verein für so einen langfristigen Aufbau entscheidend. Das kann sich bei guten Jahrgängen schnell auszahlen, kann aber auch länger dauern.

TWO: Man kann aber auch mal vom Plan abweichen, oder?

Halemeier: Klar, Abwechslung muss immer sein .Vor allem in der Wintervorbereitung.

TWO: Apropos Abwechslung: Nehmen wir an, der Trainer kann während der Vorbereitung wegen den Witterungsbedingungen nicht auf den Platz. Was macht er dann?

Halemeier: Am Anfang der Vorbereitung bietet sich natürlich Lauftraining an. Dann sollten kleine Spiele mit eingebaut werden, um die Motivation hochzuhalten. Vielleicht ist auch eine Kombination mit einem Besuch im Schwimmbad möglich: Zur Schwimmhalle laufen, dort wartet ein Betreuer mit den Sporttaschen. Dann eine ½ Stunde Schwimmtraining und dann noch eine Stunde Aufenthalt zur freien Verfügung. Der Trainer sollte einfach immer überlegen, was der Mannschaft Spaß machen könnte. Da sind den Ideen keine Grenzen gesetzt.

TWO: Kann man auch in der Halle eine anständige Vorbereitung machen?

Halemeier: Ja, wenn man es mit Ausdauertraining draußen kombiniert. Für die Kondition können in der Halle dann zum Beispiel Schnelligkeitsübungen gemacht werden. Oder auch koordinative Übungen, kombiniert mit Torschusstraining. Das Gute ist, dass den Spielern in der Halle nicht kalt wird. Das wäre auf dem Platz ja der Fall zwischen den Übungen.

TWO: Welche Übungen meinen Sie konkret?

Halemeier: Wettkampfspiele, 1:1–Situationen, um den Ball und dann aufs Tor schießen. Es kommt auch darauf an, wie groß die Halle ist. Auch Spiele sind in der Halle gut, wegen den vielen Ballberührungen. Dann sollten sie aber unter besonderen Zielvorgaben stattfinden, zum Beispiel mit vielen kleinen Gruppen 4:4-Spiele. Dann kann zum Beispiel die Raute ausprobiert werden (Breite und Tiefe im Spiel). Das sollte auf dem Feld dann auch weiter trainiert werden.

TWO: Welche zusätzlichen Faktoren können die Vorbereitung unterstützen?

Halemeier: Ernährung ist ein ganz wichtiger Faktor, nicht nur während der Vorbereitung. Aber vielleicht bietet sich währenddessen mal ein Infoabend an. Dabei sollte es nicht nur heißen: Ihr dürft das nicht und jenes nicht. Es gibt da ganz praxisnahe Veranstaltungen, in denen erstmal erklärt wird, was Ernährung überhaupt bedeutet. Wie viel Zuckerstücke sind in einem normalen Glas Cola? Und wie viele Gläser trinkt Ihr davon an einem Tag oder in einer Woche? Oder eine Abfrage, was Spieler so über den Tag verteilt essen und was das für Auswirkungen auf die Leistung haben kann. Das kann man dann danach zusammen besprechen. Im besten Fall nimmt sich der Spieler das zu Herzen. Ein anderes Thema wäre Belastung und Erholung. Viele Schüler sind bis nachmittags in der Schule, haben dann Training und treffen danach noch Freunde oder schauen bis spät in die Nacht Fernsehen. Wenn dann nur sechs Stunden Schlaf möglich sind, macht es bestimmt auch einmal Sinn über diese Auswirkungen zu sprechen oder zumindest ein Gefühl dafür zu entwickeln.


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